Wo es im Wald brennt

20190926 Wald
In Zeiten des Klimawandels und nach zwei extrem trockenen Sommern geht es dem Wald
schlecht. Wie schlecht, davon konnten sich jetzt die Teilnehmer des Energiestammtisches in
Saerbeck ein Bild machen. „Wenn sie im Teuto noch einen Fichtenwald sehen wollen, dann
tun sie es jetzt – solange er noch steht“, umriss Georg Berkemeier die angespannte Lage.
Aber zugleich machte der ausgewiesene Fachmann – Berkemeier ist Förster im Bereich
Ibbenbüren-Tecklenburg – beim Energiestammtisch Hoffnung, dass der Wald die Klimakrise
meistert: „Wir haben viel zu tun, aber wir kriegen das hin.“
Vor welchen Herausforderungen die Forstwirtschaft steht und aus welchen historischen
Bedingungen der Wald im Münsterland erwachsen ist, machte Georg Berkemeier an drei
Beispielen vor Ort klar. Zunächst machten sich die Teilnehmer auf den Weg zu einem
Fichtenbestand unmittelbar jenseits des BEP-Geländes: Borkenkäferbefall hat diesen Wald in
Totholz verwandelt, den Bäumen fehlt wegen der Trockenheit die Widerstandskraft, um sich
gegen die Schädlinge zu wehren. „Die Fichte kommt am schlechtesten mit der Trockenheit
klar“, erklärte Berkemeier. Entsprechend schlecht sieht es mit den Fichtenbeständen im Land
aus.
Warum es überhaupt Fichten im Münsterland gibt, machte Berkemeier an der nächsten Station
klar: Dem Heidegebiet Bertlings Haar. Die Heidefläche im Norden des Gemeindegebietes ist
alles, was vom einstigen „Heidedorf“ Saerbeck geblieben ist. Bis in das 19. Jahrhundert prägte
Heide und damit die Plaggenwirtschaft die Kulturlandschaft nicht nur in Saerbeck. Erst mit der
Industrialisierung und dem erhöhten Bedarf an Holz, etwa im Bergbau, begannen
Aufforstungen: Die vergleichsweise schnell wachsende Fichte wurde zum „Brotbaum“ der
Forstwirtschaft.
Jetzt geht es darum, mit den Herausforderungen des Klimawandels fertig zu werden, so
Berkemeier. Nicht nur aus forstwirtschaftlichen Gründen, sondern auch, weil Wälder ein
wichtiger CO2-Speicher sind. Deshalb liegt die Zukunft in Bäumen, die mit trockenen
Bedingungen besser klarkommen: Zum Beispiel die Eiche. Das dritte Exkursionsziel führte
wieder in den Bioenergiepark, wo im Norden des Geländes geschädigte Kieferbestände durch
Anpflanzung von Stieleichen ersetzt werden. Berkemeier: „Hier entsteht der Wald der Zukunft.“
Der Energiestammtisch zum Thema Wald im Wandel traf auf reges Interesse und war sehr gut
besucht. Zu den Gästen zählte auch die Delegation aus Morris, der 5000-Einwohner-Stadt im
US-Bundesstaat Minnesota, die im Rahmen des Austauschprogrammes Climate Smart
Municipalities Saerbeck besuchte. Blaine Hill, City Manager der Stadt Morris, und Bryan
Herrmann von Standort der der University of Minnesota in Morris, stellten die
Klimaschutzbemühungen ihrer Stadt in einem kurzen Film vor und machten einmal mehr
deutlich, wie wichtig das Vorbild Saerbeck ist. Bryan Herrmann: „Wir sind dankbar, dass wir
vom Beispiel Saerbeck lernen dürfen.“
 

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